Wirtschaftskrise
Es ist schon komisch, wie einige auf die Wirtschaftkrise reagieren. Da führt man Kurzarbeit ein, kündigt Mitarbeiter, schließt Werke oder setzt Lohnerhöhungen aus. Aber ist das richtig? Wieso erwartet man von Bürgern, Waren zu konsumieren, wenn Firmen dies noch nicht mal mit Arbeitskraft tun? Wäre es nicht besser, dafür zu sorgen, dass die eigenen Mitarbeiter Geld in der Tasche haben? Denn dann könnte man Sie dazu bringen, die Produkte des Unternehmens zu kaufen und somit für einen Rückfluß des Geldes sorgen. Außerdem ist es Paradox, die Krise bewältigen zu wollen, indem man weniger Geld in Umlauf bringt. Man sollte den Binnenmarkt stärken und nicht wieder den Fehler machen, der uns in diese Krise gebracht, nämlich das Versteifen auf den Export.
Auch die Abwrackprämie wird nicht richtig verinnerlicht. Statt Autos in Sonderschichten zu produzieren, sollte man an der normalen Arbeitszeit festhalten, um auch in den nächsten Monaten die Produktion aufrechthalten zu können. Denn irgendwann ist der Boom beendet und aus Arbeitsplätzen mit Sonderschichten werden Jobs mit Kurzarbeit.
Verrückt, einfach verrückt.
Eine Nacht in Harlem
Musik, die einen verzaubert. Lionel Richie lässt die Commodores wieder aufleben. Die Band ist einmalig. Ein atemberaubender Klangteppich füllt den Raum. Wunderbarer R&B. Say You Say Me, Brick House, Dancing on a Ceiling, All Night Long, etc. Ein nicht enden wollender Applaus nach jedem Lied. Trotz einer grossen Bühne sehr intimer Rahmen, der sehr viel Platz für Erinnerungen lässt. Eine Zeitreise in 2 Stunden, ist das möglich? Bei Richie auf jeden Fall. Jung und Alt vereint durch Musik. Der Ort: Die Arena Oberhausen, oder wie es Richie sagt, OBAHAUSN… Aber er entführt einen. Eine grosse Halle wird zu einem Club in Harlem. Man schliesst die Augen und fühlt sich in einem Raum mit John Lee Hooker, Chuck Berry und James Brown. Ein toller Abend. Ein wirklich toller Abend.
Schichtarbeit
Schichtarbeiter tun mir leid. Hat man nachts das Fernsehen laufen, kann man es eigentlich nur ausschalten. Denn was da läuft, schreit danach, den Sendeschluss wieder einzuführen. Wenn es nicht gerade nackte Frauen sind, die dort vor einem tanzen, landet man bei einer dieser Call-In-Shows. 50-Cent-Seelenfänger. Legasteniker am Rande der 0-Punkte-IQ-Grenze. Tiere mit I am Ende, A am Anfang, mit 6 oder 7 Buchstaben. Jede dunkle Gestalt in düsteren Ecken eines Vorstadtbahnhofs ist seriöser und vertrauenserweckender. Anfütterungstechniker. Geräusche und Lichteffekte, die Krankheiten auslösen können. Angeschalteter Fernseher in abgedunkeltem Raum = Deppendisko. Ein Hot Button, bei dem man sich wünscht, dass er man so richtig zuschlägt und der Moderator sich nach ein paar Minuten vom Studioboden aufrappelt und sein blaues Auge präsentiert. Das wäre mal eine Lösung. Zwar eine dudenfremde, aber das wäre ja nichts neues.
Selig – Und endlich unendlich
Als ich las, SELIG sind wieder da, dachte ich wirklich „Mensch, ihr seid so gut gewesen, warum macht ihr den Mythos nach 10 Jahren mit einer Comeback-Pleite kaputt?“. Dann legte ich mir die Platte zu. Und ich war überrascht. Der Stil der Band wurde mitgenommen in den Neuanfang und wurde noch verbessert. Eingängige Rocksongs treffen auf Balladen, die aber nicht schnulzig klingen. Sommer-Sonne-Feelgood-Sound aus deutschen Landen. Voller Kraft und Energie. Plewka als Sänger kokettiert auch in den Texten immer wieder mit missglückten Neuänfängen mit anderen Bands. Die Musik geht nach vorne, zwingt einen fast dazu, die Hifi-Anlage so weit aufzudrehen, dass selbst der Bewohner des Nachbarhauses klingelt, um sich über die Lautstärke zu beschweren. Aber selbst der wird sich die dann zulegen. Diese Platte ist absolut massenkompatibel, ohne Mainstream zu sein. Kaufen, Kaufen, Kaufen.
Kraftwerk 2009?
Ich habe heute eine neue Kraftwerk-Platte gehört. Das könnte ich denken, wenn ich die CD-Hülle nicht vorher gesehen hätte. Sythi-Klänge, die den Anfang der Platte bestimmen. Musikalische Reise in die Anfänge der elektronische Musik. Aber leider nur am Anfang. Spätestens beim 4. Titel wird klar: Es ist nicht Kraftwerk. So langweilig klang Kraftwerk nie. Auch der Rest der Platte macht das mehr als deutlich. Einheitsbrei und leider nichts neues. Keine Weiterentwicklung oder Öffnung einer neuen musikalischen Büchse der Pandora. Diese CD wird keinen Platz unter den persönlichen TOP 100 finden. Sie hätte vom Namen der Band her diesen Platz verdient, wenn das Werk das können widerspiegeln würde. Eine typische CD vom Format „Sie muss es nicht geben, aber Sie stört auch nicht“. Abwertend könnte man Sie unter Fahrstuhlmusik einordnen. Es ist übrigens Sounds of the Universe von Depeche Mode. Sorry Dave, Martin und Andy, aber das war nichts. Setzen, Sechs!
Der Macher
Er ist ein Macher. Ein Macher der macht. Vor allen anderen. In Geschwindigkeit und in Persona. Er hat das drauf. Das und nur das. Aber das sehr gut. Er respektiert es, doch er respektiert nicht, dass andere es nicht respektieren. Indem Sie es nicht registrieren. Wollen Sie es etwa nicht. Mit dem Wollen ist es so eine Sache. Aber eine Sache ist eben eine Sache. Nicht aus Fleisch und Blut. Anders als der Macher. Das distanziert Ihn ungewollt von seinem Publikum. Denn ein Publikum muss existent sein. Nur dann ist der Macher ein Macher. Ansonsten ist er nur eine traurige Gestalt. Ein armer Tropf. Und an diesem hängt er auch. Am Tropf seines Publikums. Doch der ist weder voll noch leer. Der ist einfach nicht existent. Es ist eher eine luftleere Hülle. Ein eigener Mikrokosmos nie da gewesener Größe. Da ist der Macher wieder der Macher. Der Macher einer neuen Größenordnung. Dem Nullkosmos.
Strange Story
Es ist ein schöner Sommertag. Ich war den ganzen Tag unterwegs, hab die Sonne verfolgt, mir von ihr einen Schatten werfen lassen. Das Gerede der Leute, das sich nur um die Grad-Zahlen drehte, ging mir auf den Wecker. Die Spanne ging von 32 bis 38 Grad. Können diese Leute nicht einfach im Kollektiv zur nächsten Apotheke pilgern und sich dort gemeinsam die Temperaturanzeige ansehen. Oder einfach mal über wirklich wichtige Sachen reden. Und damit meine ich nicht die Sprit-Preise vor und nach den Ferien mitsamt der Diskussion um die Differenz. Tankt, oder geht zu Fuß. Das tut euch und euren Familien sowieso besser. Fettes Volk. Es kommt mir so vor, als wenn jedes 3. Buch, das auf den Markt kommt, ein Diätbuch ist, jedes zweite aber ein Kochbuch. In der Sahelzone wären die Autor bettelarm und mager ohne Diät, beziehungsweise eher durch die tägliche, standardisierte Diät. Aber hier sind Sie Götter auf 200 bis 350 Seiten. Für so etwas müssen Bäume sterben. Quasi tausende dicke Bäume für abertausende dicke Menschen. Für Papier, das dann in ein Holzregal gestellt wird und irgendwann wieder mit dem Regal verharzt, weil es durch den Staub der Nichtnutzung wieder steht auf den Regalboden gedrückt wird. Was eine kranke Welt. Sie kotzt mich an. Und bevor sich das gesamte Erbrochene des Gesellschaft über mich ergießt, hechte ich die Treppe hoch und schließe die Tür meines Appartements hinter mir zu. Persönlicher, eigenhändiger Einschluss ohne einen weiteren geplanten Freigang. Erst mal ne Amibrause aus der Dose. Ehrliches Weißblech, nicht diese schwammigen, vergangenheitslosen Plastikflaschen. Wer sich sowas ausdenkt, gehört ausgehängt… Die Chinesen machen aus dem Plastikmüll später Polyesterkleidung. Also wäre es auch möglich einen Strick daraus herzustellen. Hier du Bastard, hiermit räche ich die ganzen nicht mehr produzierten Blechdosen. Pfeif mir auf dem Verschluss ein Lied, du Wahnsinnsgetränkeweltveränderer. Kranker Gedanke. Meine natürlich den mit den Plastikflaschen statt Dosen, nicht das mit dem Strick. Der Magen meldet sich. Pizza, Pasta, Pommes bestellen? Vielleicht kriege ich gleich einen Fress-Weniger-Bestseller dazu. Dieser Gedanke schreckt ab. Also Low-Fat-Suppe in den Topf und Feuer frei. Lockere Scheiß-Heiß-Aktion. Null Nährwert, null Vitamine, null Genuss, danach null Hunger. Mit so vielen Nullen vor ´ner Telefonnummer könnte man einen Außerirdischen hinter der Milchstraße gleich links anrufen. Naja, jetzt erst mal schönes Nickerchen. Und wenn ich Nickerchen sage, meine ich Nickerchen. Nicht Chillen, nicht abhängen, nicht runterkommen. Das gute alte Nickerchen. Boah, welcher Spinner stellt denn für Mittags ´nen Wecker. Mach das Mistding aus, Alter. Das piept und piept. Oder ist es kein Wecker? Ist nämlich sogar für einen Wecker zu monoton, das Geräusch. Sind mittlerweile 50 Grad. Ist das jetzt schon die Polkappenschmelze als Livesendung in meiner Wohnung? Werde der Sache auf den Grund gehen müssen. Feuermelder. Genau, Feuermelder. Kann es vielleicht daran liegen, dass der Herd noch an ist, naja mag es ja warm. Meine Küche nicht, hat sich schon ein wenig verformt.. Moderne Kunst. Überlege, wo ich meine Digicam habe. Überlegungen werden durch eine Stichflamme beendet. Schade, wollte gerade mit mir diskutieren, ob ich die Kamera nehme, oder ob für den Schnappschuss auch das Handy reicht. Naja, vor 10 Jahren hätte man sich die Gedanken nicht gemacht. Da hätte man nur den Film gesucht und das Kunstwerk aus 36 Blickwinkeln fotografiert. Heute hätte ich 1000 Ansichten zur Auswahl. Jeder Fliegenschiss, jeder Rußpartikel wäre für die Nachwelt festgehalten. Live-Installation. Große Kunst. Aber da Verbrennungen ersten Grades nicht so interessant sind, wie ein abgeschnittenes Ohr, muss ich einen Ein-Mann-Evakuierungsplan schmieden. Balkontür auf und irgendwie runter. Jetzt ein Polyesterseil haben. Naja, dann muss eben die Bettwäsche hinhalten. Kann zwar keine Windsorknoten, weder einfach, noch doppelt, aber das mit den Laken werde ich noch hinkriegen… So, geschafft. Und ab nach unten, stelle mir eine Aufzuganzeige vor, 5, 4, 3, 2. Auf 2 gucke ich in die Augen 2 verstörter Großstädter, nenne die beiden Feinripp und Hagelschaden. Ihn wegen seiner schicken Unterhemden, Sie wegen ihrer Orangenhaut, die einer, in einer Schokoladenfabrik benutzten, Pralinenform 1 zu 1 gleicht. Mit dem Satz „Hab es einfach nicht gelöscht bekommen“ klettere ich weiter. Unten angekommen beschließe ich, nach dem Stress mit ein paar Kumpels um die Häuser zu ziehen. Morgen Früh werde ich auf dem Rückweg eine Zeitung besorgen, um zu erfahren, ob ich nach dem Lokalteil auch noch die Wohnungsannoncen lesen muss. Aber ich bin ja flexibel.