Xikaro

Literature and more in German(y)

Strange Story

 

Es ist ein schöner Sommertag. Ich war den ganzen Tag unterwegs, hab die Sonne verfolgt, mir von ihr einen Schatten werfen lassen. Das Gerede der Leute, das sich nur um die Grad-Zahlen drehte, ging mir auf den Wecker. Die Spanne ging von 32 bis 38 Grad. Können diese Leute nicht einfach im Kollektiv zur nächsten Apotheke pilgern und sich dort gemeinsam die Temperaturanzeige ansehen. Oder einfach mal über wirklich wichtige Sachen reden. Und damit meine ich nicht die Sprit-Preise vor und nach den Ferien mitsamt der Diskussion um die Differenz. Tankt, oder geht zu Fuß. Das tut euch und euren Familien sowieso besser. Fettes Volk. Es kommt mir so vor, als wenn jedes 3. Buch, das auf den Markt kommt, ein Diätbuch ist, jedes zweite aber ein Kochbuch. In der Sahelzone wären die Autor bettelarm und mager ohne Diät, beziehungsweise eher durch die tägliche, standardisierte Diät. Aber hier sind Sie Götter auf 200 bis 350 Seiten. Für so etwas müssen Bäume sterben. Quasi tausende dicke Bäume für abertausende dicke Menschen. Für Papier, das dann in ein Holzregal gestellt wird und irgendwann wieder mit dem Regal verharzt, weil es durch den Staub der Nichtnutzung wieder steht auf den Regalboden gedrückt wird. Was eine kranke Welt. Sie kotzt mich an. Und bevor sich das gesamte Erbrochene des Gesellschaft über mich ergießt, hechte ich die Treppe hoch und schließe die Tür meines Appartements hinter mir zu. Persönlicher, eigenhändiger Einschluss ohne einen weiteren geplanten Freigang. Erst mal ne Amibrause aus der Dose. Ehrliches Weißblech, nicht diese schwammigen, vergangenheitslosen Plastikflaschen. Wer sich sowas ausdenkt, gehört ausgehängt… Die Chinesen machen aus dem Plastikmüll später Polyesterkleidung. Also wäre es auch möglich einen Strick daraus herzustellen. Hier du Bastard, hiermit räche ich die ganzen nicht mehr produzierten Blechdosen. Pfeif mir auf dem Verschluss ein Lied, du Wahnsinnsgetränkeweltveränderer. Kranker Gedanke. Meine natürlich den mit den Plastikflaschen statt Dosen, nicht das mit dem Strick. Der Magen meldet sich. Pizza, Pasta, Pommes bestellen? Vielleicht kriege ich gleich einen Fress-Weniger-Bestseller dazu. Dieser Gedanke schreckt ab. Also Low-Fat-Suppe in den Topf und Feuer frei. Lockere Scheiß-Heiß-Aktion. Null Nährwert, null Vitamine, null Genuss, danach null Hunger. Mit so vielen Nullen vor ´ner Telefonnummer könnte man einen Außerirdischen hinter der Milchstraße gleich links anrufen. Naja, jetzt erst mal schönes Nickerchen. Und wenn ich Nickerchen sage, meine ich Nickerchen. Nicht Chillen, nicht abhängen, nicht runterkommen. Das gute alte Nickerchen. Boah, welcher Spinner stellt denn für Mittags ´nen Wecker. Mach das Mistding aus, Alter. Das piept und piept. Oder ist es kein Wecker? Ist nämlich sogar für einen Wecker zu monoton, das Geräusch. Sind mittlerweile 50 Grad. Ist das jetzt schon die Polkappenschmelze als Livesendung in meiner Wohnung? Werde der Sache auf den Grund gehen müssen. Feuermelder. Genau, Feuermelder. Kann es vielleicht daran liegen, dass der Herd noch an ist, naja mag es ja warm. Meine Küche nicht, hat sich schon ein wenig verformt.. Moderne Kunst. Überlege, wo ich meine Digicam habe. Überlegungen werden durch eine Stichflamme beendet. Schade, wollte gerade mit mir diskutieren, ob ich die Kamera nehme, oder ob für den Schnappschuss auch das Handy reicht. Naja, vor 10 Jahren hätte man sich die Gedanken nicht gemacht. Da hätte man nur den Film gesucht und das Kunstwerk aus 36 Blickwinkeln fotografiert. Heute hätte ich 1000 Ansichten zur Auswahl. Jeder Fliegenschiss, jeder Rußpartikel wäre für die Nachwelt festgehalten. Live-Installation. Große Kunst. Aber da Verbrennungen ersten Grades nicht so interessant sind, wie ein abgeschnittenes Ohr, muss ich einen Ein-Mann-Evakuierungsplan schmieden. Balkontür auf und irgendwie runter. Jetzt ein Polyesterseil haben. Naja, dann muss eben die Bettwäsche hinhalten. Kann zwar keine Windsorknoten, weder einfach, noch doppelt, aber das mit den Laken werde ich noch hinkriegen… So, geschafft. Und ab nach unten, stelle mir eine Aufzuganzeige vor, 5, 4, 3, 2. Auf 2 gucke ich in die Augen 2 verstörter Großstädter, nenne die beiden Feinripp und Hagelschaden. Ihn wegen seiner schicken Unterhemden, Sie wegen ihrer Orangenhaut, die einer, in einer Schokoladenfabrik benutzten, Pralinenform 1 zu 1 gleicht. Mit dem Satz „Hab es einfach nicht gelöscht bekommen“ klettere ich weiter. Unten angekommen beschließe ich, nach dem Stress mit ein paar Kumpels um die Häuser zu ziehen. Morgen Früh werde ich auf dem Rückweg eine Zeitung besorgen, um zu erfahren, ob ich nach dem Lokalteil auch noch die Wohnungsannoncen lesen muss. Aber ich bin ja flexibel.

April 17, 2009 - Geschrieben von | Strange

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